27
Aug
2016
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Autofahren in den Emiraten

Autofahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist großartig – mal von den anderen Verkehrsteilnehmern abgesehen. Und außerhalb der Großstädte.  Also im Prinzip nur auf den Autobahnen.

„20 drüber kannste fahren – locker!“ Bens Worte klangen mir immer wieder im Ohr, als ich, mit überhöhter Geschwindigkeit, an den Radarsäulen vorbeischoss. „Schoss“ in Anführungszeichen, denn maximal 140 waren drin, bei erlaubten 120. Man kann sich also vorstellen, mit welcher Nervosität ich als gut ausgebildeter und pflichtbewusster PKW-Pilot an den Dingern vorbeifuhr. Kurz: Ich machte mir jedes Mal in die Hose!

Dazu muss man wissen, dass in Dubai die Blitzer circa alle 2 km am Autobahnrand auftauchen; in Abu Dhabi alle 4 bis 5 km. Und jedes Mal sprang mein Fuß von Gaspedal auf Bremse, wenn ich die Teile – leicht erschrocken – sah. Das änderte sich erst nach ein bis zwei Tagen intensiven Fahrens. Aber dann richtig.

Schnell kam die Erkenntnis: Wir Deutschen sind schon richtig gut ausgebildete Autofahrer. Klar muss man nicht bis in die Emirate reisen, um lausige Lenkradluschen (Hallo Vera!) zu erleben. Mir reichen da beispielsweise die Franzosen mit ihrem ‚französisch Parken’: aus 50 km/h in den Stand bremsen, 2. Reihe parken, Warnblinker und rein in die Boulangerie. Aber was man teilweise auf der Straße zwischen Abu Dhabi und Dubai erlebt, ist sensationell.

Da sind zum Beispiel die Inder – sitzen entweder zu fünft im Toyota Yaris oder zwölft im Mikrobus, und halten sich peinlich genau an das Tempolimit. Das erfordert wohl derartig viel Konzentration, dass sie sich auf den vier- oder sechsspurigen Autobahnen gern in Gedanken verlieren. Auf der zweiten oder dritten Spur. Von links.

Dann gibt es die Araber. Also vermutlich sind es Araber, denn man sieht leider nichts durch die getönten Scheiben vorne. Die fahren meist Mustang, 911, AMG, M5 oder 8-Zylinder SUVs und benutzen die Lichthupe öfter als den Blinker. Gern auch innerorts auf der linken (Abbiege-)Spur.

Und dann gibt es mich: Vorzeigeführerscheinbesitzer mit vier Jahren Gummi unter meinem Gürtel. Unfallfrei haftpflichtversichert. Der beste Autofahrer der Welt. Und ich tue das einzig Richtige. Das, worauf viele Deutsche Lust haben, sich aber selten trauen oder nur, um Mittelspur-Schleicher zu erziehen:

Ich überhole rechts!

Ich muss immer noch verzückt darüber lachen, während ich diese Zeilen schreibe. Was für eine Freude es ist, nicht nur das Tempolimit auszureizen, sondern auch noch rechts zu überholen. Und dabei im rasanten Fahrstil die Spuren öfter zu wechseln als bei Tetris.

So habe ich es nicht nur geschafft, schneller ans Ziel zu kommen und andere Verkehrsteilnehmer zu erziehen, sondern auch gleichzeitig noch den Spaßfaktor wie beim Go-Kart-Fahren hoch gehalten.

Schmerzlich vermisst im Mietwagen: der Tempomat. Der Fuß am Gas wurde schon sehr beansprucht. Wenn ich auf den Straßen, die kilometerlang kerzengeradeaus durch die Wüste führten, mit 120 – pardon, 140 – dahinglitt.

Naja, und über den Stadtverkehr muss man nicht viel sagen. Wer schon mal in einen Kreisverkehr in Paris eingefahren ist, hat eine ungefähre Vorstellung.

 

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