13
Okt
2016
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From ‚Hello‘ to ‚Bye Bye‘

Meine Reise führt mich immer weiter und auch wenn ich ein bisschen wehmütig war, Vietnam zu verlassen, so freute ich mich doch schon sehr auf das Unbekannte in Laos. Und die neuen Eindrücke, Erlebnisse und Abenteuer, die mich erwarteten.

Total begeistert verließ ich vor einer Woche Ninh Binh, eine kleine Stadt ein wenig südöstlich von Hanoi, am frühen Morgen. Ich hatte gerade meinen, wohl mit Abstand, besten Aufenthalt in einer Unterkunft in Vietnam verbracht. Die Zwillinge und Dang vom Hoa Bien Hotel circa 2 Kilometer außerhalb der Stadt sind die besten Gastgeber, die man sich vorstellen kann. Selten hab ich so viel Spaß in einem Hotel gehabt. Ich hatte dort zwei Ungarn, einen Rumänen und ein holländisches Pärchen kennengelernt und es war einfach sensationell. Auch das Restaurant ‚Trung Tuyet‘ im Stadtzentrum war grandios. Riesenportionen und das Bier umsonst – was will man mehr?

Also setzte ich meinen Weg voller Vorfreude Richtung Grenzübergang Na Meo fort. Der führte mich über die Q217, eine Straße, die laut Internetrecherche im letzten Jahr noch eine komplette Baustelle gewesen zu sein scheint, sich mir aber im besten Zustand präsentierte und die Fahrt entspannt verlaufen ließ.

Nach einer unspektakulären Übernachtung in Quan Son – nicht empfehlenswert – startete ich morgens um 8 Uhr die letzten 50 Kilometer bis zur Grenze, gespannt darauf, was mich erwartete. Auch wenn ich in Vorbereitung schon über alle Eventualitäten informiert hatte und dieser Grenzübergang als unproblematisch mit vietnamesischen Motorrad gilt, bleibt immer die Ungewissheit, ob alles klappt. Oder ob man der Willkür ausgeliefert ist, diskutieren oder bestechen muss oder gar ganz abgewiesen wird. Ist ja hier kein Schengen.

Auf der vietnamesischen Seite der Grenze lief alles ganz locker

Auf der vietnamesischen Seite der Grenze lief alles ganz locker

Was folgte, war der wohl entspannteste Grenzübertritt, den ich mir so nicht hätte ausmalen können.

Erwartungsgemäß bekommt man auf vietnamesischer Seite lediglich den Ausreisestempel in seinen Pass. Das dauerte drei Minuten und ich sah mich schon gen laotische Grenze fahren. Draußen saß ein Grenzbeamter, der offensichtlich hier das Sagen hatte, und mir mit „Moto, Moto!“ und seinem Daumen in Richtung Zoll verständlich machen wollte, dass ich noch nicht fertig war. Dummerweise hatte ich den ‚Daumenzeig‘ nicht richtig verstanden und dachte, es wär ein ‚Dauen hoch‘ und er würde mir – wie schon viele Vietnamesen vorher – ein Kompliment für mein Moped machen. Also lachte ich ihm zu und machte ebenfalls den Daumen hoch, während ich weiter Richtung Parkplatz ging.

Sein zweites, etwas strengeres, „Moto!“ inklusive „Customs!“ machte mir dann klar, dass ich ihn missverstanden hatte. Also rein zum Zoll und das Moped deklarieren. Schade, hatte ich mich doch schon gefreut, dass ich um die 20 US$ Gebühr kommen wurde, die im Internet von anderen Reisenden als ‚Zollabfertigung‘ angegeben wurden. Kam ich auch. Denn nach dem Ausfüllen einer kleinen Karte, musste ich lediglich 200.000 Dong, ca. 8 Euro, bezahlen. Und das war’s.

Draußen entschuldigte ich mich noch bei Grenzchef für das Missverständnis und er und sein Kollege winkten mir bei der Durchfahrt fröhlich zu. Ich war gleicher Laune, hatte ich doch unerwartet weniger bezahlt und weniger Probleme bei der Ausreise gehabt. Aber die Einreise stand mir ja noch bevor.

Ich muss dazu sagen, dass ich meinen letzten Aufenthalt in Hanoi unter anderem auch dazu genutzt hatte, mir das laotische Visum bei der Botschaft zu holen. Am Grenzübergang sollte es wohl 45 US$ kosten und in der Botschaft war ich für ein Expressvisum mit 36 US$ dabei. Also erwartete ich eine zügige Abwicklung, damit mein Trip endlich weiter gehen konnte. Schließlich hatte ich ja noch rund 150 Kilometer, also 4 Stunden Fahrt, vor mir.

Es kam nicht anders.

Die nette Dame am Schalter bat mich, lediglich ein Formular auszufüllen und schon fand ich mich beim Zoll wieder. Laos hat für Mopeds keine besondere Einreisebestimmung, ich musste lediglich ein weiteres Formular ausfüllen, das ich bei meiner Ausreise wieder abgeben muss. Der Zöllner machte mir sehr deutlich, dass ich mit empfindlichen Strafen zu rechnen habe, wenn ich ohne Moped oder Formular bei der Ausreise an der Grenze erscheine. Zumindest habe ich das seiner Predigt im gebrochenen Englisch entnommen.

Mit der Freundschaft war es dann schlussendlich komplett vorbei, als es ans Bezahlen der Gebühr ging. Er verlangte 10.000 Laotische Kip, sagte aber: „Can pay with Dong!“ Also kramte ich mein Geldbündel raus und ich bin der Meinung, dass die Gebühr sich erhöhte, als er das Geldbündel sah. Ich bin mir nicht sicher. Aber was folgte war eine fünfminütige Diskussion über die Höhe der Gebühr. Als Fazit kann man sagen: Laotische Zollbeamte haben nix von ihren Müttern beim Feilschen auf den Marktplätzen mitbekommen und halten es eher wie die deutschen Kollegen – sie werden recht ungehalten, wenn man mit ihnen diskutiert.

Nachdem das geklärt war, konnte ich dann endlich zurück zu meinem Moped und über die Grenze. Jedoch nicht ohne noch ein „Push bike!“ vom Chef mitzubekommen, schob ich mein Gefährt über die Grenze und war in Laos!

Alles in allem hatte der Prozess wohl um die 30 Minuten gedauert und ich war insgeheim froh, dass ich der Einzige an der Grenze war und somit ohne Wartezeit durchgehen konnte.

Was folgte, war die wohl unentspannteste Fahrt seit Langem. Schlaglöcher in Hülle und Fülle, dreimal so viele Kühe (inklusive zahlreicher aufgehäufter Endprodukte) auf den Straßen und die 10% Gefälle waren gefühlt locker 20. Das bergauf, bergab wurde nur von einer kurzen Pause an einem Fluss unterbrochen, an dem ich mich unter den gespannten Augenpaaren zahlreicher Kinder erfrischte.

Auch in Laos sind Kinder allgegenwärtig. Sie begleiten meine Fahrt durch Dörfer mit ihrem Winken oder spielen zwischen den Dörfern am Straßenrand. Aber ich konnte schnell drei Unterschiede zu den Kindern in Vietnam ausmachen:

Laotische Kinder sind viel scheuer. Wenn man auf sie zugeht, laufen sie eher weg oder verstecken sich.

Ein kleiner Junge am Straßenrand präsentiert mir sein Haustier. Sah aus wie ein Meerschwein.

Ein kleiner Junge am Straßenrand präsentiert mir sein Haustier. Sah aus wie ein Meerschwein.

Sie werden viel mehr in Arbeit eingespannt. Es kann sicherlich auch an der Region liegen, aber ich habe hier wirklich viele Kinder mit schweren Körben auf dem Rücken und dem Tragegurt auf der Stirn gesehen. Oder aber auch in der Küche und der Gartenarbeit.

Und die Kleinen hier ‚begrüßen‘ mich immer mit „Bye Bye!“, im Gegensatz zum „Hello!“ der vietnamesischen Kinder. Das mutet teilweise schon skurril an, aber ist ein – wie ich finde – witziges Detail am Rande.

Und so bin ich jetzt also in Laos unterwegs – einem Land, das Vietnam offensichtlich in Schönheit nicht nachzustehen hat.

 

 

6 Antworten

  1. Mom

    Super geschrieben Rico 🙂 danke, dass du uns an deinem Abenteuer teilhaben lässt. Da man wahrscheinlich nie nach Vietnam oder Laos reisen wird, bekommt man doch einen Einblick in das dortige Leben und die Schönheiten der Natur. Viel Spaß noch und schöne Erlebnisse und wie immer : PASS GUT AUF DICH AUF 😉

    1. Rico

      Ja ja, die lieben Postkarten… 😀 Hab hier wirklich Probleme, welche zu finden. In Laos sind die nicht so weit verbreitet. Aber ich schau noch mal genauer. Hihi

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