30
Sep
2016
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Hanoi ist ein Drecksloch

Vielleicht sollte ich doch eine Nacht drüber schlafen, aber aktuell bin ich so aufgebracht über diese Hauptstadt und die Menschen, die eigentlich gar nichts dafür können.

Aber der Reihe nach – was ist passiert?

Heute bin ich nach, zugegeben sehr vielen Kilometern (290), zurück nach Hanoi gekommen, um hier ein paar Tage zu entspannen und meine weitere Reise in den Süden und nach Laos zu planen. Ich habe mich aber heute Abend dazu entschlossen, nachdem ich entspannt geduscht hatte, mir doch noch das ein oder andere Bia Hoi (frisch gebraut und gezapft für 20 Cent das Glas) zu genehmigen.

Gesagt, getan. Und auf zu meinem Lieblingsladen – einem kleinen, unscheinbaren Ort mit drei Tischen und 9 Stühlen und einem Ehepaar in den 80ern, die Billigbier aus ihren Fast-Wohnzimmer ausschenken. Dort habe ich auch direkt ein kanadisches Pärchen aus Montreal kennengelernt, dir mir allerhand Tips für meine Reise nach Myanmar (kommt irgendwann bald) gegeben haben. Da die aber noch was essen gehen wollten, habe ich mich an den Finnen und den Briten vom Nebentisch gehangen und bin mit denen – was wir im Volksmund ’saufen‘ nennen würden – gegangen.

Und da kam der „Aha-Effekt“: die Vietnamesen in Hanoi sind arrogant, unfreundlich, sehen in mir nur den Touristen und sind mit jedem Atemzug nur auf mein Geld aus.

Ich meine, das Ganze ist ja nicht neu, schließlich geht’s hier um die Hauptstadt, DIE Touristenhochburg schlechthin. Aber für jemanden, der gerade aus dem Norden, aus den Bergen, gekommen ist, wirkt so etwas erschütternd. Ohne Witz – ich war total am Boden zerstört ob des Verhaltens der Vietnamesen der Hauptstadt. Sei es, um uns in ein Restaurant oder einen ‚Club‘ zu bekommen. Man wird nur noch wie Ware behandelt und wenn man nicht das tut, was von einem erwartet wird, ist man gleich komplett uninteressant und wird noch herablassender behandelt. Ich meine, diese Menschen passen sich ja auch nur ihrer Umgebung an und reagieren darauf, was sie tagtäglich erleben. Aber das habe ich so nicht erwartet und auch bei meinem ersten Besuch in Hanoi nicht so wahrgenommen. Ich denke, dass nach meinem Trip in den Norden und des Erlebens der Herzlichkeit und Gastfreundschaft des vietnamesischen Volkes, alles Andere irgendwie an Bedeutung verliert.

Dass ich bei meiner Pause heute Morgen ca. 30 km vor Tuyen Quang nichts für mein Getränk bezahlen musste, weil die Dame meine Gesellschaft so mochte (oder meine charmante Art), zeigt mir, dass ich doch dieses ‚wahre‘ Erleben Vietnams bevorzuge. Nicht, weil ich dadurch vielleicht 40 Cent spare, sondern weil es mir zeigt, dass die Vietnamesen immer noch ein Volk sind, denen Ehrlichkeit und Freundlichkeit keine Unbekannten sind.

Ich mag Ha Noi nicht und freue mich auf Montag, wo es für mich weiter Richtung Süden (und Laos) geht.

 

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